Verfasst von: caminopilger | 20. Juni 2015

Camino de Santiago Tag 25 Finale 19.06.2015  Bandeira – Santiago de Compostela 34 km

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Das war er nun also, mein Camino de Madrid/ Camino Sanabrés/Camino Sureste, zusammenfassend besser gesagt,  meine 690 km auf dem 2015er Camino de Santiago. Bei all den Wegbezeichnungen hab ich selbst so manches Mal den Durchblick verloren. Bedingt durch meine individuelle Streckenplanung ergab es sich eben so und nicht anderes. Wenn man es genau nimmt,  bin ich am Schlußtag sogar  noch ein paar hundert Meter auf dem Camino Frances gepilgert. All diese genannten Wege/Caminos verlaufen ja sternenförmig in Richtung Santiago de Compostela und treffen spätestens an der Kathedrale von Santiago aufeinander. Ich weiß nicht, ob es an der Magnesiumzufuhr der letzten Tage, meinem Ingwerkonsum, oder in letzter Instanz einfach nur am Adrenalin gelegen hat. Ich schien an diesem Tag förmlich nach Santiago fliegen zu wollen. Nach lediglich 8 Stunden Wanderung erreichte ich auf einer erneut anspruchsvollen, „hügeligen“ Etappe mein Pilgerziel. Ein Novum war dabei, dass ich bis zum Zentrum der Stadt keinen einzigen Fußpilger zu Gesichte bekam. Lediglich 2 Fahrradpilger kreuzten meinen Weg. In der Stadt verließ ich den Camino völlig untypisch gen Norden in Richtung Busbahnhof. Wollte ich etwa Santiago de Compostela sofort wieder verlassen, wo ich doch 25 Tage hart dafür geackert hatte,  hier überhaupt anzukommen? Nein, Grund für meinen erneuten „Spurwechsel“ war meine beabsichtigte heutige Weiterfahrt nach … Porto. Ich hatte noch kein Ticket in der Tasche und wollte an einem sonnenüberfluteten Wochenende nicht riskieren, kein Ticket Meer zu ergattern. Porto, einfaches Ticket, 33€, Abfahrt 20.06.15 17:00 Uhr – bingo! Nachdem das begehrte Objekt in meinem Rucksack verstaut war, geriet ich in der Tat dann in den Genuß noch wenige hundert Meter auf der Zielkurve des Hauptweges, des Camino Frances, einzulaufen. In der Stadt selbst wimmelte es bei herrlichem Sonnenwetter vor Menschen. Ganze Bienenschwärme von Pilgern schienen alle Wege und Plätze eingenommen zu haben. Für mich war das alles sehr verstörend. War ich doch so häufig Alleinunterhalter auf meinem 2015er Camino und konnte mit den plötzlichen Menschenmassen in der Stadt rein gar nichts anfangen, vielleicht auch, weil ich kein einziges bekanntes Gesicht unter ihnen entdecken konnte. 
Ein Großteil der Frontseite der Kathedrale war restaurationsbedingt mit schwerem Baugerüst und wehenden Tüchern versehen. Hatte ich in den Vorjahren noch „Stunden“ damit verbracht, die Kathedrale fototechnisch ins richtige Licht zu rücken, genügten gestern 3-4 Schnappschüsse. Fertig! Um nicht den falschen Eindruck aufkommen zu lassen, möchte ich sagen dürfen, dass ich im Moment meiner Ankunft schon große Freude, Glück und auch Erleichterung verspürte. Ich war körperlich geschafft, kam zu einer Uhrzeit in die Stadt, als die anderen, morgens angekommenen, Pilger längst ihre Stiefel ausgezogen hatten. Unspektakulär verlief dann, passend zu meiner Ankunft, auch der weitere Tag und der Abend. Mit wem hätte ich meine Ankunft auch feiern können? Ich entschied mich kurzerhand, das Feiern  auf den heutigen Abend, nach Porto zu verlegen, denn da wartet mein Liebesglück namens Lydia  

  auf mich in der am Fluß Douro gelegenen portuguisischen Stadt. Ein gemeinsames verlängertes Wochenende zum Abschluss meines Pilgerweges ist ein besonders schönes Geschenk für uns beide. Dienstagabend geht es dann von Porto aus mit dem Flugzeug wieder zurück in die Heimat. Ich freue mich auf meine Familie, Freunde, meine Kolleginnen und Kollegen und möchte mich bedanken, dass mich  so viele von Euch in den letzten vier Wochen auf meinem Camino virtuell und gedanklich begleitet haben. So manches aufmunternde Wort war für mich unterwegs motivierend und aufbauend zugleich. Es ist schön, nicht immer ganz allein unterwegs zu sein. Danke!  

Happy end am frühen Morgen. Ich traf meinen Camino-Retter Johann aus Salzburg am Pilgerbüro. 

   Johann ist bereits gestern Früh in Santiago eingetrudelt. Am Tag und am Abend haben wir uns leider verpasst. Dafür verbringen wir heute gemeinsam ein paar Momente. Ich wünsch Dir lieber Johann noch ein langes Leben bei bestmöglicher Gesundheit!

 In der Summe bin ich jetzt seit 2008 mehr als 4.000 Kilometer auf den Jakobswegen gepilgert und habe mir fest vorgenommen, eine mehrjährige Camino-Pause einzulegen. Dieser Blog wird mit dem heutigen Tag also den vorzeitigen mehrjährigen Winterschlaf antreten. 

Allen künftigen Pilgern, die zufällig auf diese Seiten gelangen, wünsche ich  einen „Buen Camino“. 

Ich bin dann mal weg 

… zum Friseur in Santiago de Compostela. 

Es wird Zeit, dass das Gestrüpp abkommt!

Die Fotos des gestrigen Tages folgen ( in Santiago scheinen sie alle WLANs kastriert zu haben 😦 ) im Laufe des Tages aus Portugal …

So etwas ist mir im kleinsten galicischen Bergdorf nicht passiert.

   
  

   

   

    

        



   





   

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Responses

  1. uff…Ende Gut Alles Gut…Hauptsache heil angekommen!bis gleich DJ

  2. Das „Kampfschwein“ Heiner hat es wieder geschaft! Eben meine frau Lutgart hat ihren Blog jeden Tag gefolgt. Herzliche Gl[uckw[unsche von uns. Jos und Lutgart Coels-Put.

    • Dir und Deiner lieben Frau Lutgart ein herzliches Dankeschön! Buen Camino, Heiner

  3. Herzliche Glückwünsche zum vollbrachten Camino. Wir haben täglich mitgefiebert und auf den Fortsetzungsbericht gewartet. Auf die nächsten müssen wir dann wohl ziemlich lange warten……!?
    Ein erholsames Wochenende wünschen dir
    Lothar, Annika und Ulrike
    Grüße an Lydia

    • Wer weiß, wer weiß… Ihr kennt mich ja ganz gut. Irgendwann juckt es wieder im großen Zeh!
      Wann wollten wir unseren Moselcamino eigentlich fortsetzen, Lothar? Von Trier bis Metz ist ES doch nur einen Katzensprung weit… .
      Dankeschön und intensiven Gruß vom „ex-Caminopilger“, der fast schon auf dem Sprung nach Porto ist.

  4. Glückwunsch und viel Spaß heute Abend mit der großen Liebe. Gruß auch an Ihre Fraueundin.

    • Danke schön! Freue mich wieder auf das ZA MG, die Stadt und insbesondere auch auf Sie! Gruß aus dem heißen Sueden.

  5. Hochachtung vor dieser erneut starken Leistung. Ich schätze, du bist aber nun auch recht froh, dass es vorüber ist.

    Und endlich kommst du wieder zurück in das Land mit erträglichen Temperaturen und angenehmem Sommerregen 🙂

    Welcome back

    • Danke schön! Heute verbringen wir bei gemäßigten Temperaturen den ganzen TAG am Meer. Porto ist auf jeden Fall eine Reise wert und das nicht nur als Fußpilger. See you soon.


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