Verfasst von: caminopilger | 14. Juni 2015

Camino de Santiago NACHTRAG Tag 19 13.06.2015 A Gudiña – Laza 36 km

 
Die ersten 4 km des 20ten Tages habe ich schon hinter mir, obwohl ich gestern Abend noch dachte, dass es keinen Morgen Meer für mich auf dem  Camino de Santiago geben würde. Werde in der Bar A Souteleira Sendero del Peregrino ( facebook: asouteleiradesantiago ) in vielerlei Hinsicht bei guter Musik  (Rod Stewart) 

  

 frühstücksmäßig verwöhnt und nehme mir die Zeit für diese Zeilen. In Kürze die Geschichte meines gestrigen Beinahe-Untergangs oder auch:  Wie aus dem Caminopilger auf dem Weg nach Laza um ein Haar LAZARUS wurde. Den Fehler habe ich eigentlich schon zuhause gemacht. Nahezu 3500 km Caminogeschichte, warum sollte ich mich  da näher mit dem Camino Sanabres beschäftigen. Hochnäsig bis verantwortungslos würde ich im Rückblick sagen. Klar, ich wußte, dass es lange 36 km über die unzähligen galicischen Hügel werden. Was 2.200 Höhenmeter an einem Tag kräftemäßig für meinen Körper bedeuten, habe ich fatal unterschätzt. Die letzten 6 km des Tages waren ein Disaster. Alle 500 Meter musste ich den Rucksack ablegen. Pause. Filmriss bei km 33. Ich lege mich ins Gras und kann nicht Meer. By the way heute habe ich dadurch die Arme von unzähligen Moskitostichen verziert! Ein Reiter kommt auf seinem Pferd vorbei. Erkennt meinen Erschöpfungszustand und kündigt an, dass er mich mit dem Auto abholen und zur Albergue bringen würde. Nicht mehr ganz von Sinnen willige ich ein und bin in dem Moment wo er mit seinem Pferd davonbraust totunglücklich. Auf 4.000 Caminokilometern habe ich so was als Fußpilger noch nicht gemacht. Ich warte ungefähr 15 Minuten auf dem Boden liegend auf ihn. Es fängt heftig an zu regnen. Der Retter ist immer noch nicht in Sicht und ich ziehe weiter, verlaufe mich konsequenterweise noch, erreiche dann aber irgendwann doch die Herberge. Völlig ausgebrannt setze ich mich mit leerem Gesichtsausdruck auf den erst besten Stuhl und eine amerikanische Schicki-Micki-Pilgerin hat nichts Besseres zu tun als mich anzupfeifen, dass ich mit meinem Schweiß ihr Shirt, das wohl an der Rückenlehne hing,  verschmutzen würde. Bon Camino in Richtung USA sage ich. Ich bin zu schwach um die Dame einzunorden. Dafür habe ich SIE heute wo es mir wieder viel besser geht keines Blickes gewürdigt. Das ich wieder auf den Beinen stehe habe ich meinem österreichischen Mitpilger Johann zu verdanken. Er reichte mir Magnesium und Traubenzucker und meinte, dass er solch einen Tag auch schon hatte.

2.200 Höhenmeter in einer Etappe. Mann muß schon ein bisschen verrückt sein um diesen Camino Sanabres zu laufen.

Bei Francisco bedanke ich mich für das besonders liebevolle Frühstück! hurra ich lebe noch …

Viva la vida! Viva La Galicia!

  
Die Bilder des gestrigen Tages:

   
                              

  

  

     

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Responses

  1. Mensch Heiner, wir sind mit unseren Gedanken bei dir! Wir sind gespannt, wie es weitergeht. Deine Bilder … erst lachen und dann die Erschöpfung. Und dabei trotzdem tolle Bilder.
    Egal wie es weitergeht, bisher hast du schon viel geschafft und erlebt.
    Denke auch an deine Knochen.

    Liebe Grüße
    Lothar

    • Vielen herzlichen Dank für Eure warmherzigen Worte und Euer fortwährendes Interesse. LG Heiner


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