Verfasst von: caminopilger | 7. Juni 2012

Nachtgedanken in Ribadiso

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04:39 Uhr, 07.06.2012:
Ich liege im oberen Etagenbett (Bett Nr. 40) „meiner“ schmucken Herberge in Ribadiso und kann nicht Meer schlafen. Wälze mich schon seit ein paar Stunden von einer Seite auf die andere. Das Bett ist für meine Größe nicht ganz passend weder von der Länge noch von der Breite. Wenn ich mich strecke fühle ich mich ein wenig gestaut, da Kopf und Fuß Holzlatten fest tangieren. Habe insgesamt betrachtet das Gefühl in einem spanischen Kinderbett zu nächtigen. Um mich herum grunzt es, dass es fast schon eine wahre Pracht ist. Höhere Töne, Tiefere Töne, Husten, Stönen, Pfeifen und lauthalsiges Brachialschnarchen. Für jeden ist etwas dabei. Auf die hiesigen Geruchswelten möchte ich aus nachvollziehbaren Gründen nicht weiter eingehen wollen.
Draußen schüttet es wie aus Kübeln. Die Wassermassen platschen lautstark vom Dach auf den Vorhof der Albergue. Regenrinnen braucht man hier in Nordspanien nicht. Schließlich fließt das Wasser umweltgerecht über die steinernen Wege und immergrünen Wiesen in das angrenzende Flüsschen ab. Ich darf davon ausgehen, dass dieser Zustand auch am Tage unverändert sein wird. Wenn es in Galicien erst einmal grau am Himmel wird, brauchst du als Pilger die Regenjacke gar nicht mehr in den Rucksack zu verstauen und überlegst besser, wie Deine ledernen Schuhe die anstehenden 25-30 Tageskilometer durchs überflutete Geläuf überstehen sollen. Um Gottes Willen was mache ich denn eigentlich hier? So richtig verstehen kann das eigentlich nur jemand, der den Camino auch schon einmal gegangen ist. Spätestens wenn morgen Santiago de Compostela erreicht ist spielen die beschriebenen Zustände und Verhältnisse überhaupt keine Rolle mehr. Mann/Frau ist einfach nur glücklich das Pilgerziel erreicht zu haben unabhängig davon wieviele Wochen und Tage auf dem Camino es sein durften.
Die Anziehungskraft des Camino de Santiago auf die Menschen aus allen Herren Länder ist eben irrational und magnifizierend zugleich.
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So freuen sich beispielsweise zwei kalifornische Pilger hinaus in den Regen gen Arzua zu dürfen. Sonne haben sie Zuhause ja genug. Ich hingegen bleib noch ein wenig im Stall liegen. Vielleicht hört der Regen ja auf?

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