
Bilder wie diese ….
Ertappe mich in letzter Zeit sehr häufig darin, dass ich nicht loslassen kann. Nicht loslassen vom Jakobsweg. 3 Jahre auf dem Camino haben meine Gedankengänge doch sehr beeinflusst und den Wunsch nach dem nächsten Pilger-Erlebnis wachsen lassen. Gleichwohl 7 Monate nach dem „Norte/Costa“ mein rechter „Knochen“ immer noch nicht zu 100 Prozent wiederhergestellt ist, juckt es in den Füßen. Um die Auszeit nicht allzu lang werden zu lassen sollte ich in meinem diesjährigen Sommerurlaub in Polen zumindest winzige Sporen von den dortigen Jakobswegen aufsaugen, bevor ich hoffentlich am 28.05.2012 nach Oviedo fliege und auf dem Camino Primitivo pilgere.
Buen Camino all denjenigen, die es schon in diesem Kalenderjahr nach Nordspanien schaffen werden… .
Camino de Santiago Feeling
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Pilger ohne Urkunde
38. Tag 05.07.2010 8:00 Uhr morgens, Santiago de Compostela
Carsten sollte Recht behalten. Der Outdoor hat es nicht bis nach Santiago geschafft! Dabei hatte ich mich auch mit meinem Irreführer zum Abschluß meiner Pilgerwanderung ausgesöhnt. Aber irgendjemand in der 400 Seelen Herberge hatte ein Auge auf ihn geworfen und mir ihn gestern Abend aus dem offen stehenden Zimmer der Albergue entwendet. Für sich gesehen sicherlich nicht tragisch eher lustig. Leider hat man mir mit dem Büchlein auch meinen Pilgerausweis samt der 34 Etappennachweise in Stempelform geraubt. Dies hat zur Folge, dass ich heute keine Pilgerurkunde im Pilgerbüro zu Santiago ausgestellt bekomme.
Fließe sozusagen trotz aller körperlichen und seelischen Anstrengungen nicht in die gigantische Pilgerstatistik im heiligen Jahr 2010 ein. Kein Grund zum Heulen wie ich finde. Spätestens seit dem Tag, als man mir in frühen Schultagen für meine sportlichen Leistungen erstmals die „Ehrenurkunde“ verweigerte und mir ersatzweise die inflationäre „Siegerurkunde“ in die Hand drückte, habe ich die Freude an Urkunden allgemein verloren. Es bewegt mich nicht. Ein Zeichen von oben, dass irgendetwas fehlte auf meinem Camino 2010. Meine Pilgerbrüder, Stephan (Jesus) und Carsten (Navigator), aber auch Pilgerfreunde der Vorjahre wie Kate, Heinz und Geri. Aber, so ist das Leben und ich bin trotzdem mit meiner Welt zufrieden. Freue mich auf meine Purpurhändlerin und Lebenspartnerin Lydia, meine Kinder und Familie, Harald und alle anderen Freunde und Bekannte. Ich freue mich auf Euch da draußen und bedanke mich ganz herzlich, dass ihr wieder einmal ein Stück meines Weges mitgewandert seid und so wird es hoffentlich auch weiter in meinem Leben sein, da ich nicht zum Einzelgänger geeignet bin. Diese Erkenntnis hat mir der Camino in diesem Jahr in aller Deutlichkeit gebracht.
Soweit ich mich später an den Camino de La Costa / Camino del Norte erinnern werde, hoffe ich, dass das Bild der kantabrischen Strände, die frohgestimmten Tage mit Miguel und Dan, die vielen betonharten und einsamen Stunden auf meinem Jakobsweg 2010 übermalen.
Buenos Dias aus
Santiago de Compostela
Euer und Ihr Caminopilger
Heiner Schlereth
Tageskilometer am 05.07.2010: 4,7 km
Entfernung nach Santiago de Compostela: 0 km
Bis Santiago de Compostela von Irun gelaufene Strecke: 857 km
Veröffentlicht in Camino 2010 | Tags:Camino de la Costa, Camino del Norte, Caminopilger, Irun, Jakobsweg, Santiago de Compostela
Berg der Freude
37. Tag 04.07.2010
Habe den 4,7 km vor Santiago liegenden Monte do Gozo
erreicht und damit meine Pilgerreise nahezu zu einem guten Ende gebracht. Monte do Gozo heißt „Berg der Freude“ und bezieht sich auf das große Glücksgefühl, das die Pilger erfüllte, als sie nach all den Strapazen
endlich das ersehnte Pilgerziel Santiago de Compostela vor sich sahen. Genau hier am Freudenberg
werde ich das letzte Mal in einer Herberge schlafen bevor ich die Pilgerklamotten morgen früh nach dem Erreichen Santiagos endgültig abstreife. Vor dem Rückflug am Dienstag nach Deutschland werde ich mich morgen noch mit ner Nacht in einer privaten Pension belohnen.
Hier in der Albergue wird mindestens 400 Pilgern ein Bett geboten. Ich bin angenehm überrascht, dass ich um 18:00 Uhr derzeit noch der einzige Pilger in einem Raum mit 8 Betten bin. Vielleicht liegt das daran, dass ich so lange von Arzua unterwegs war (07:00 – 17:00) und nach mir in der Hitze des Nachmittags einfach niemand Meer kommt. Warum auch immer, ich hätte nichts dagegen, wenn es so bleiben würde und ich endlich wieder einmal eine schnarchfreie Nacht hätte.
Melde mich dann morgen noch einmal ein letztes Mal vom Camino aus Santiago.
Buenas tardez dende Monte do Gozo.
DC
Meine erschöpfte verhaltene Freude sah heute gegen 16:45 Uhr so aus:
Tageskilometer am 04.07.2010: 35,2 km
Entfernung nach Santiago de Compostela: 4,7 km
Bis Monte do Gozo von Irun gelaufene Strecke: 852,8 km
Veröffentlicht in Camino 2010 | Tags:Berg der Freude, Camino de la Costa, Camino del Norte, Caminopilger, Irun, Jakobsweg, Monte do Gozo, Pilgerreise, Santiago de Compostela
Argentina 0 Alemania 4
36. Tag 03.07.2010
Die Spanier haben in der Bar zu Arzua lautstark applaudiert und den deutschen Pilgern nach dem Spiel die Hände vor Anerkennung und Freude geschüttelt. Habe sicherheitshalber in der Heimat bei der Purpurhändlerin nachgefragt, ob der Gegner wirklich Argentinien war. Dachte beim vierten Tor Meer an die niederländischen Antillen. Unfassbar! Was willst du an solch einem Tag noch vom Pilgern in den letzten Zügen erzählen? Vielleicht, dass ich beim Betreten der Stadt Arzua einen Kulturschock erlitten habe. Erblickte ich doch tatsächlich Dutzende rucksackbekleidete Menschen auf den Straßen und fragte mich, wo kommen die um Himmels Willen alle her?
Dann wurde mir klar, dass ich 40 km vor Santiago de Compostela an dem Verschmelzungspunkt des Camino del Norte mit der Pilgerautobahn, sprich dem Camino Francais, angekommen bin. Die Albergue municipal (öffentliche Herberge)
öffnete um 13:00 Uhr. Konsequenterweise hing bereits um 13:05 Uhr das Schild „Completo“ im Fenster. Alle 46 Betten waren mithin in 5 Minuten weg. Toll! Pilgeralltag auf dem Hauptweg!
Jetzt verschone ich Euch da draußen aber wirklich mit weiteren Pilgerbanalitäten. Feiert schön heute Nacht und stellt auch für mich ein Weissbier kalt, denn … ich komme bald.
Buenos Tardez aus Arzua
Der Caminopilger
PS: Ich liebe deutsches Land.
Tageskilometer am 03.07.2010: 22 km
Entfernung nach Santiago de Compostela: 39,9 km
Bis Arzua von Irun gelaufene Strecke: 817,1 km
Und wer tröstet Messi?
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Das Ziel im Kloster vor Augen
35. Tag 02.07.2010
Schlafe heute bei den Mönchen im Zisterzienserkloster zu Sobrado dos Monxes.
Wo Mönche sind, da ist Mönchengladbach nicht so weit und genau da werde ich ab Miitwoch hoffentlich gesund wieder meinen Dienst verrichten. Bis dahin liegt aber noch so Einiges auf meinem Weg… . Vielleicht reiche ich das Pilgerprotokoll vom gestrigen Tage einmal nach. Schließlich handelte es sich um meine Königsetappe auf dem Weg nach Santiago. Es war ein verdammt heißer und anstrengender Tag auf dem Camino. Vielleicht einer der schwierigsten in 3 Jahren Pilgergeschichte.
Was morgens um 06:20 in Vilalba begann endete um 17:00 Uhr im hügeligen Niemandsland zu Miraz. Nach 9 Stunden (netto) Laufzeit und 37 Kilometern erreichte ich bei heißer Witterung völlig ausgepowert mein gestecktes Tagesziel in den galicischen Bergen. Der Hospitalero von der englischen Jakobsgesellschaft, die die Herberge im Niemandsland vorzüglich betreibt, kam mir ganz aufgeregt mit einer Kanne Flüssigem entgegen als er mich am Horizont im hitzigen Staub der nachmittäglichen Sonne erblickte. Möchte die freundlichen Helfer, 2 Engländer und ein nach Kanada ausgewanderter Bayer, in der Herberge mal besonders loben dürfen. Die Art und Weise wie sie mich nach meiner Ankunft wieder aufpäppelten war einzigartig und klasse. Wer beabsichtigt, den Norte zu laufen, sollte diese Herberge auf jeden Fall bei den Etappenplanungen berücksichtigen zumal das Haus derzeit großzügig modernisiert und erweitert wird.
Ich freue mich im Übrigen in der Endphase meines Weges über Eure aufmunternde Worte und das gesetzte Vertrauen (Danke Harald!) in mich.
Aber glaubt mir bitte, jeder neue Tag bringt mir in dieser Phase Meer körperliche Tiefen als Höhen. Ich gehe auf dem Zahnfleisch und der rechte Knochen ist ein verstärktes Ärgernis. Könnt Euch in etwa vorstellen wie locker der heutige Tag für mich war… . Lassen wir das, sprechen wir lieber vom Schönen. Und das Schönste als Pilger ist für mich derzeit, dass ich heute im erfrischenden Dauerregen wieder 26 km geschafft habe und „nur“ noch 61,9 km nach Santiago zu laufen sind. Vielleicht sollte ich um 19:00 Uhr nach dem Holland-Spiel zu den Mönchen in die gesungene Vesper. Schaden sollte es auf jeden Fall nicht. Oder Thomas?
Buenas Tardez
DC
PS: Diese Holländer, bemerkenswert!
Nicht, dass die jetzt auch noch Weltmeister werden? Was glaubst Du, Harald?
Tageskilometer am 02.07.2010: 26 km
Entfernung nach Santiago de Compostela: 61,9 km
Bis Sobrado dos Monxes von Irun gelaufene Strecke: 795,1 km
Und so sah heute früh mein Morgen aus:
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12:00 Uhr mittags in Baamonde
34.Tag 01.07.2010
Von meiner Königsetappe habe ich heute bis jetzt 21,4 km geschafft. Die restlichen 15,1 km nach Miraz werde ich nach der Pilger-Mittagspause in Angriff nehmen. 102 km vor Santiago habe ich mich mit Lebensmitteln und Flüssigem eingedeckt, da ich heute Abend dort übernachte, wo Hase und Igel gemeinsam in einer Höhle schlafen. Sprich in Miraz. Dort kann Mann kein Geld ausgeben und so scheint es mir ratsam hier mittags in der Zivilisation vorzusorgen. Könnte ja ersatzweise auch einen galicischen Hirschen erlegen. Aber, wohin mit dem ganzen Fleisch? Außerdem habe ich ja gestern Abend schon Fleischiges gegessen. 75 km vom Meer entfernt gab es keinen Fisch auf den Tisch des Hauses und ich entschied mich für Ternera en Salsa de Queso und Queso con Membrillo. Was soll ich sagen? Beides war ein Gedicht!
Heute Morgen bin ich entgegen meines sonstigen Tagesablaufes schon um 06:20! Uhr auf dem Camino im dunstigen Frühnebel losgepilgert. War dabei noch noch nicht mal der Erste auf der Strecke, überholte schon bald zwei offensichtlich erst hier in Galicien gestartete spanische Jung-Pilgerinnen.
Je näher ich mich Santiago de Compostela nähere, desto ausgeprägter ist der Wunsch gut in den Tag hinein zu kommen. Und bei den derzeitigen Temperaturen ist ein frühes Aufbrechen eher ratsam. Wenn alles gut geht, dann melde ich mich morgen am Abend aus Sobrado dos Monxes.
Hola aus Baamonde!
DC
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Der Monolith als stiller Motivator
33. Tag 30.06.2010
Habe die sechstletzte Etappe nach Vilalba (472 m über dem Meeresspiegel, 15.000 Einwohner) bei 28 Grad im Schatten relativ emotionslos heruntergespult und bin in einem Industriegebiet 1,5 km vor der Stadt nicht Meer allein im nach Geschlechtern fein säuberlich getrennten Schlafsaal der Herberge. Zwei ältere Franzosen leisten mir kommunikationsfrei Gesellschaft. Die Albergue ist in klassischen Militärfarben gehalten.
Daneben verleiht der bevorzugte Baustoff (Beton) dem Ganzen hier wirklich den Charme eines Luftschutzbunkers,
doch Schönheitspreise werden in dieser Phase des Caminos keine mehr vergeben. Jetzt heißt es nur noch ANKOMMEN und an den nächsten Tag denken. Freitag soll es wiederholt regnen, so habe ich den Plan für die nächsten zwei Tage noch einmal geändert und werde die Ultra-Etappe dann eben schon morgen bei stabilem Wetter laufen.
Die Monolithe entlang des Jakobsweges
weisen seit Ribadeo/Galicien die restlich bis Santiago zu laufenden Kilometer aus. Ich empfinde das als überaus motivierend, da es mit jedem Schritt spürbar nach vorne geht und die Betonklötze alle paar hundert Meter am Rand des Weges stehen. Der Pilger hat eben nur wenige mentale Trainer und Zuschauer entlang des Caminos und so betrachte ich die Monolithen als meine persönlichen Schrittmacher, die mir die gelaufenen „Strecken“ verkünden. Mann klammert sich halt an jeden Strohhalm bei Kilometer 733 in Nordspanien.
In die Stadt werde ich auf keinen Fall mehr gehen/laufen/oder auch hinken. Werde mich ausruhen und allenfalls heute Abend einen Sprung in die Bar von neben an wagen.
Hola aus Vilalba
DC
Tageskilometer am 30.06.2010: 20 km
Entfernung nach Santiago de Compostela: 124,2 km
Bis hier von Irun gelaufene Strecke: 733,1 km
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Into the wild 2010
32. Tag 29.06.2010
Mit der Wahl „meiner“ Herbergen habe ich in den letzten Tagen ausgesprochenes Glück gehabt.
Die heutige in Gontan belohnt mich mit einer sonnenüberfluteten Dachterasse und Wifi-Anbindung für mein iPhone! Habe nach einer vom Höhenprofil sehr anspruchsvollen galicischen Bergetappe von Vilanova de Lourenza nach Gontan die Füße hochgelegt
und schreibe dann mal ein wenig… .
Bin gefragt worden, womit ich mich denn in all der Einsamkeit den ganzen lieben Tag auf der Piste gedanklich beschäftige?
Tiefgreifende Gedankengänge sind es nicht, dafür muss Mann! zu sehr auf Stöcke und Stolpersteine achten die im Weg liegen. In den letzten Tagen habe ich neben meiner beständigen jadefarbigen Welt
mehrmals an einen meiner Lieblingsfilme denken müssen. Into the wild von Sean Penn! Rieb die Schale von wildgewachsenen Zitrusfrüchten, Eukalyptusblättern und Rosmarin in den Händen und erinnerte mich an den tragischen Helden des Kinofilms, der sich in der Einsamkeit der Wildnis von wilden Kräutern und Beeren ernährt bis ein giftiges Grün seinem Leben ein qualvolles Ende bereitet. Habe die Filmmusik von Into the wild (Eddie Vedder-Leadsänger von Pearl Jam) im Kopf und dann passiert heute das Unglaubliche. Mitten in der galicischen Bergwildnis stehe ich vor einem zugewachsenen Autobus
und habe damit die Schnittmenge zu meinem Lieblingsfilm auf dem Camino gefunden,
da in der Tragödie ein verwilderter Bus die Behausung für den Aussteiger darstellt.
Mein Programm sieht für die nächsten zwei Tage fußschonende 20 und 22 km vor, bevor ich am Freitag versuchen werde, mit einer 40 km langen Wanderung von Baamonde nach Sobrado dos Monxes die längste Tagesetappe auf meinem Camino de la Costa/Camino del Norte zu laufen.
Drückt mir die Daumen, dass ich es bis da hin schaffe.
Hola aus Gontan
DC
Tageskilometer am 29.06.2010: 26,1 km
Entfernung nach Santiago de Compostela: 143,9 km
Bis hier von Irun gelaufene Strecke: 713,1 km
Happiness is only real when it’s shared.
Espania : Portugal
1:0
Viva La Galicia!
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Zentrum für künstliche Besamung
31. Tag 28.06.2010
Hallo? Ja, ihr da draußen habt richtig gelesen….. Ich liege im Bett des (ehem.) Zentrums für künstliche Besamung in Vilanova de Lourenza
und erhole mich von der ersten galicischen Bergetappe. Ergänzend darf ich ich dazu sagen, dass besagtes Zentrum zwischenzeitlich zur Albergue umgebaut wurde und ausgesprochen hübsch geworden ist. Fühle mich hier richtig wohl und habe es mir in einem 8er Schlafraum
bequem gemacht, bin um 17:30 Uhr sogar noch allein in der Herberge! Das muss Mann den Pilgern auf dem Camino Francais einmal erzählen. Die werden es sicherlich nicht glauben! Nach einem erneuten Einlagenwechsel bei Kilometer 10 lief es heute wie geschmiert und ich bin ohne größeren neuen Probleme ins ehem. Besamungszentrum eingekehrt. Nach einem Monat (28.05.-28.06.2010) auf dem Camino bin ich dankbar dafür, dass ich noch der Gruppe der Fußpilger zugehörig bin und nicht gesundheitsbedingt auf Bus oder Bahn umsteigen musste. Davon gibt es mittlerweile einige Pilger, die fast immer ihr körperliches Leistungsvermögen falsch eingeschätzt haben und belastungsfreie Auszeiten zum Regenerieren benötigen.
Gutes Essen ist auf dem Camino unabdingbar. Ich wurde heute bereits gegen 16:15 Uhr von der galicischen Küche verwöhnt. Merluza a la Marinera garniert mit ein paar Muscheln, Gambas und Salzkartoffeln. Lecker!
Zuvor gab es einen Ensalada mixta mit Pan, 1,5 Liter Mineralwasser mit frischen Limonen und als Postre Tarte Chocolat&Cafe. Bezahlen durfte ich für all das Schöne gesamt 8,00 Euro. Ein kulinarisches Highlight auf meinem Weg.
Hola aus Vilanova de Lourenza
DC
Tageskilometer am 28.06.2010: 28,7 km
Entfernung nach Santiago de Compostela: 170 km
PS: Caminoumleitungen und gesprengte Jakobswege gibt’s auch in Galicien.
Perdon Asturias!
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Berry der Tinto-Vernichter
30. Tag 27.06.2010
14:00 Uhr Galicien. Habe soeben Lukas beim gemeinsamen Essen verabschiedet.
Der sympathische 30 jährige Krankenpfleger hat heute gemeinsam mit mir Galicien erreicht und fährt aufgrund seines engen Zeitrasters von hier aus mit dem Bus eine größere Strecke in Richtung Santiago de Compostela.
Berry ist auch schon über die ersten galicischen Berge hinweg. Die kurze Etappe nach Ribadeo hat den 58-jährigen Niederländer nicht annähernd ausgefüllt und so läuft er eben noch mal gut 20 Kilometer mehr an diesem bewölkten Tage.
Berry ist vor 3 Monaten von seinem Wohnort in Holland losgepilgert und dürfte heute bereits den 2.000sten! Kilometer auf seinem Weg erreicht haben. Fit wie ein Turnschuh ist er der Hubertus alias Berry und ein Erfolgsgeheimnis dafür hat er mir verraten. Der sparsame Holländer (nicht böse gemeint, Berry!) verlässt jeden Tag in der Frühe als erster die Herberge und genießt beim mittäglichen Pilger-Menue den Umstand, dass er die mit dem Essen gereichte Flasche Rotwein nicht mit anderen Pilgern teilen muss. In Gänze wird somit täglich von ihm allein der Liter Rebensaft geleert und dieser gibt ihm anscheinend die Kraft für den Rest der zu bewältigenden täglichen Strecke. Vino Tinto sozusagen als Treibstoff für die Muskeln!
Ich hingegen habe mein heutiges Schonprogramm in die Tat umgesetzt, bleibe in Ribadeo beim Fußball und genieße galicisches Bier der Marke Estrella Galicia. Habe gestern spät am Abend sogar meinen Frieden mit Asturien geschlossen. Das Bild der Küste
und der Anblick des Sonnenuntergangs im Hafen von Tapia de Casariego
haben den Asphalt aus meinem asturischen Langzeitgedächtnis verbannt.
Adios Asturia!
Adios Lukas, Viva La Vida!
Hola aus Galicien
DC
Tageskilometer am 30. Tag: 14,3 km
Entfernung nach Santiago de Compostela: 198,7 km
Song den ich beim Schreiben dieser Zeilen im Ohr habe: Strawberry Swing, Coldplay
Alemania – Inglaterra
Quatro:Uno!
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Entzaubertes Asturien
29.Tag 26.06.2010
Wie Bilder täuschen. Traumhafter Küstengang könnte man meinen, aber die Realität sah gestern wie heute anders aus. Immer wieder Beton, Asphalt, weggebaggerte Jakobswege und ständig zu überquerende Nationalstraßen, so die rauhe Wirklichkeit!
Den zugegebenermaßen bilderbuchartigen Anblick der steilen Küste hatte ich heute erst in letzter Minute beim Ankommen in der Herberge, die spektakulär alleine an der Felsküste steht. Zuvor habe ich auf der Strecke von Pinera nach Tapia de Casariego 6 Stunden das Meer nicht gesehen.
Auch auf die Gefahr hin, derzeit als Caminopilger-Nörgler rüberzukommen, darf ich meine Enttäuschung zum Ausdruck bringen. Ich kann die Euphorie der anderen Pilger über den „Costa“ zumindest für den asturischen Teil der Küste überhaupt nicht nachvollziehen. Für mich war das meiste in Asturien ein unglaublich hartes Brot. Jetzt freue ich mich auf Ribadeo/Galicien, das ich bereits morgen gegen Mittag erreichen werde, soweit meine diversen Handicaps ( rechter Fuß (alt), linke Wade (neu) ) nichts dagegen haben… .
Mal schauen, ob wir dann am Nachmittag den Engländern ein weiteres traumatisches Elfmeterschiessen bieten. Football is Coming home. Welcome back in Manchester, Mr. Wayne Rooney!
Hola aus Tapia de Casariego
PS: Vielleicht fehlen mir in diesem Jahr Navigator und Jesus viel Meer auf dem Weg als ich dachte…
Tageskilometer am 26.06.2010: 26,0 km
Entfernung bis Santiago de Compostela: 212,4 km
2 Fotos von Mitpilgern mit denen ich in den letzten Tagen die Freizeit nach der Wanderung verbringen durfte:
Hubertus (Berry) aus Den Bosch (NL)
Lukas aus Pforzheim
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Gedanken beim Cafe con Leche
28.Tag 25.06.2010
Luarca, 10:30 Uhr morgens. Um ehrlich zu sein… Ich werde nach 600 Kilometern auf dem Camino so langsam in vielerlei Hinsicht müde, nicht nur, was das Körperliche angeht, sondern auch das Schreiben in diesem Blog. Von den 24,5 Tageskilometern habe ich knapp 10 km bewältigt und entschieden, heute Abend eine kreative Schreibpause einzulegen und lediglich die für sich sprechenden Fotos eines sehr schönen Morgens in Nordspanien hochzuladen.
Buenos Dias
DC
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Dr. Müller-Wohlfahrt auf dem Camino
27.Tag 24.06.2010
Als ob der Mann nicht schon genug zu tun hat. Im Mai verdrehte sich U2′s Bono die Bandscheibe und M-W richtete den irischen Rücken in München. Gestern zwickte es Schweini gegen Ghana am Oberschenkel und wer war als erster in Südafrika zur Stelle? Ja, genau M-W, der beinahe Schwiegervater von uns Nationale Lothar Matthäus. Und heute um Elfe hatte M-W seinen Einsatz hier auf dem Camino del La Costa! Selbstredend er nicht persönlich, aber sein nach ihm benanntes Pilgerwunderheilmittel (Profelan nach Müller-Wohlfahrt) mit Arnikablüten.
Die landschaftlich sehr schöne Etappe von Soto de Luina-Cadavedo (25 km)
verlief ausschließlich auf der wenig befahrenden Nationalstraße N-632! Jede Menge Asphaltos, pures Gift für meinen hinkenden Knochen und zur Etappenmitte war dann erst mal Schluß mit lustig. Rechter Stiefel und qualmender Socken aus, 25 Gramm M-W Arnika auf die Knochenhaut geschmiert und einmassiert. So schaffte ich es sogar das Etappenziel um weitere 8 Kilometer bis zum Hostal in Canero auszuweiten. Die Begründung für die erneute Streckenverlängerung war recht simpel. Das Meer war wieder einmal viel zu weit von der kargen Pilger-Herberge entfernt!
In drei Tagen erreiche ich bereits Galicien, entferne mich damit in Richtung Santiago immer weiter von der Küste. Der Camino de la Costa geht genau dort in Ribadeo in den Camino del Norte über. Nun habe ich mit dem heutigen Abend noch vier Mal die Möglichkeit am Atlantik zu schlafen und das möchte ich auskosten.
Hola aus Canero-Luarca
DC
Tageskilometer am 24.06.2010: 33,1 km
Entfernung bis Santiago de Compostela: 262,4 km
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Wie der Ochs vorm Berge
26. Tag 23.06.2010
Nach einer sehr erholsamen Nacht in Enriques Gästezimmer (endlich mal ein Bett mit 2,00 Meter Länge!) brachte der Tag heute sehr schöne Streckenabschnitte in Eukalyptuswäldern mit sich.
Bis zum Kilometer 22 lief wirklich alles wie geschmiert und ich hatte die industriellen Erlebnisse des Vortages längst vergessen.
Zwei liebe Telefonate mit meinem Freund Harald und einer reizenden Erdbeerpflückerin gaben mir noch einmal einen Motivationsschub für das letzte Drittel des langen Tages.
Doch dann … kam Seite 209 meines „aktuellen“ Irreführers.
Ich darf wie folgt auszugsweise zitieren: „… hier war die zukünftige Wegführung unklar. Im Prinzip müssen Sie aber ca. 800 m weitergehen, treffen auf das Dorf El Rellayo und erreichen einen (stillgelegten) Brunnen.“
Von nun an war nichts Meer wie vorher!
Kein Brunnen, stattdessen ein weggesprengtes Ortsende und wild gestikulierende einheimische Asturier, die sich über die geänderte Streckenführung nicht einig waren. Die Situation war für mich vergleichbar mit der Suche nach einer Örtlichkeit in einem weggebaggerten Braunkohlentagebaugebiet im Erkelenzer Land.
Hier in El Rellayo gibt’s definitiv keine braune Kohle aber dafür Spaniens größten Neubau einer Autobahnbrücke,
der, ohne mich zu fragen, gefühlte 5 Kilometer „meines“ Jakobsweges verschlungen hat.
Die auf den folgenden Seiten gedruckten Wegbeschreibungen hätte ich mir sparen können. Sie verwirrten mich zunehmend und so war ich bei azurblauem Sommerwetter wieder einmal ein „wenig“ länger auf dem Camino unterwegs und sah dadurch einen traumhaften Küstenabschnitt,
den ich, dem Reiseführer zufolge, nie hätte sehen dürfen. Alles wird gut!
Hola aus Soto de Luina
DC
Tageskilometer am 23.06.2010: 32 km (Irrwege nicht inbegriffen!)
Entfernung bis Santiago de Compostela: 295,5 km
Vielleicht hilft der folgende Spruch, damit ich diese Nacht nicht noch von meinem heißgeliebten Irreführer verfolgt werde
„Wenn man schlafen geht, soll man die Sorgen in die Schuhe stecken.“
Am besten reiß ich IHN nach dem Ghana-Spiel in zwei Teile und stecke diese in die miefigen Lowa-Boots…. .
Der finale Schuss des heutigen Abends:
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Staubige Industriezonen
25. Tag 22.06.2010
Sollte es jemals eine Abstimmung hinsichtlich der schäbigsten Etappe des Camino de La Costa geben, dürfte mein heutiger Weg von Gijon nach Aviles eine große Chance haben den Wettbewerb zu gewinnen. Massenhaft Industrie entlang der Strecke
nach Gijon und vor Aviles. Nein, das hat wirklich keinen Spaß gemacht! Da konnte auch ein im mittleren Teil der Tagesstrecke liegender Wald nichts am fatalen Gesamteindruck ändern.
So langsam komme ich mir auf meinem diesjährigen Jakobsweg wie ein einsamer Wolf vor. Auch heute galt wieder, kein Pilger weit und breit in Sicht. Ein Bretone und zwei spanische Pilger aus Madrid hatten mir gestern am Strand in Gijon schon angekündigt, dass sie sich die unschöne Etappe nach Aviles aufgrund der „Rahmenbedingungen“ schenken und mit dem Zug fahren würden. Mein Pilgerstolz verhinderte, dass ich mich dieser Reisegruppe anschloss. Frustriert vom Staub und Dauerlärm der industriellen Zonen dachte ich dennoch so manches Mal an deren Worte, bin dann sogar in Aviles vor lauter Frust und entgegen der ursprünglichen Planung bis zum 6 Kilometer weit entfernten Meer nach Salinas weitergelaufen. Meine anschließende Suche nach einer bezahlbaren Unterkunft im Badeort
blieb erfolglos, bis der Wirt des örtlichen Strandcafes Las Dunas, Enrique, mir in der Not sein privates Gästezimmer im direkt am Meer befindlichen Apartement unentgeltlich zur Verfügung stellte. Ein sehr schöner Abschluß eines ansonsten sehr staubigen Tages.
Buenos Tardez aus Salinas
DC
Tageskilometer am 22.06.2010: 32 km
Entfernung nach Santiago de Compostela: 330 km
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Copa Rioja
24. Tag 21.06.2010
Es ist angerichtet! Sitze in der für mich unaussprechlichen „Xiringüelu“-Bar, Casa Bernardo N-10, Gijon, und warte auf den Anpfiff des Spiels Spanien -Honduras. Ein Teil der Gäste und des Bar-Personals ist in rot und gelb gewandt.
Da schmeckt der Rioja doppelt so gut. Habe zum zweiten Mal das Angebot des Tages „Copa Rioja“+Minitosta (Boquerones en vinagre con acetunas) zu 3,50 Euro bestellt und beides schmeckt vorzüglich. Hier bleib ich und feiere ein wenig, dass mein einsamer Lauf über die sieben Berge nach Gijon so prima geklappt hat. Vor dem Fußball war nach langer Zeit wieder einmal Baden im Atlantik angesagt.
Strahlend blauer Himmel und schon hat der Pilger die Badehose an!
Hoffen wir, dass die Spanier heut Abend nicht Baden gehen, damit ich ein wenig Stimmung
geboten bekomme. Copa Rioja forever.
Buenos Tardez aus Gijon
DC
Tageskilometer am 21.06.2010: 31 km
Entfernung nach Santiago de Compostela: 362 km
Ja und so sah das Sträschen nach dem sicherlich nicht glorreichen 2:0 gegen Honduras aus:
Und so sahen die Schlagzeilen am Morgen danach aus…
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Hugo und die Hüte
24.Tag 21.06.2010
02:00 Uhr nachts in Villaviciosa und ich kann nicht Meer schlafen. Vielleicht liegts am etwas zu kurzen Bettchen in meiner schmucken Zelle oder auch an der örtlichen Müllabfuhr, die mitten in der Nacht (01:30 Uhr) mit einem Höllenlärm die Tonnen in den Gassen leerte. Da ich nicht einschätzen kann wie motiviert ich heute Abend nach der langen Etappe nach Gijon sein werde, erzähle ich eben im Dunkelen die Geschichte von Hugo und den Hüten.
Es wird Sommer in Asturien und mit den steigenden Temperaturen trägt Mann und auch Frau wieder etwas auf dem Haupte. Bevorzugt das Baseball-Cap in oliv, passend zum ultra leichten immer trockenen Outdoorhöschen der oberen Preisklasse. Wohltuend fürs Auge empfinde ich davon abweichende Kopfbedeckungen. Hugo, Architekt aus Asturien, glänzt mit einer Variante aus hellem Stroh.
Ein Wunder, dass dieses Fliegengewicht (ich meine selbstredend den Hut!) noch nicht in den Klippen gelandet ist. Hugo trafen die Purpurhändlerin und ich erstmals in der Herberge zu Santillana del Mar. Dort in Kantabrien erzählte Hugo, dass er seit 2 Tagen auf dem Camino sei und an beiden Tagen jeweils 45 Kilometer gelaufen sei. Da staunt der Caminopilger Bauklötze ob solcher Wahnsinnstaten. Dennoch erhob ich in der Herberge zu Santillana den fürsorgenden Zeigefinger und warnte vor den zu erwartenden körperlichen Reaktionen bei solchen Selbstgeisselungen. Nach Santillana del Mar habe ich Hugo ein paar Tage nicht mehr gesehen. Dachte, dass er längst über alle Berge sei und traf ihn überraschender Weise in der Herberge zu Poo schwer humpelnd wieder. Blasen an beiden Füßen und andere Fußbeschwerden hatten ihn zumindest an diesem Tag zum reinen Buspilger werden lassen. Zwischenzeitlich kann Hugo wieder eingeschränkt laufen, bewegt sich jedoch vernünftigerweise im gleichen Tempo wie Herren meines Alters … .
Unser gestriges Gespräch in Villaviciosa war leider auf diesem Camino vermutlich das letzte, da der sympathische Asturier schon am Abend mit dem Bus nach Oviedo fuhr um dort auf dem Camino Primitivo seinen Jakobsweg fortzusetzen. Diesen Richtungswechsel nach Oviedo werden heute im Laufe des Tages viele Pilger gehen, da sich der mitten durchs hohe Gebirge und weite Land nach Santiago verlaufende Camino Primitivo aufgrund seiner ausgesprochenen Ursprünglichkeit und rauhen Wildnis einer steigenden Beliebtheit erfreut.
Ich bleibe, wie geplant, dem Camino de la Costa / Camino del Norte treu und möchte weiter das Meer sehen.
Wünsche Dir lieber Hugo für den restlichen Camino blasenfreie Füße und eine gesunde Streckenplanung.
Buenas Noches dende Villaviciosa
DC
Veröffentlicht in Camino 2010
Sidreria La Ballera
Domingo, 20.06.2010
Auch auf die Gefahr hin Euch da draussen zu nerven sehe ich mich heute „genötigt“, einen weiteren ausserordentlichen Blogeintrag ins world wide web zu stellen…
Bei meiner nachmittäglichen Suche nach einem WM-tauglichen Fernseher bin ich in einer Nebenstraße in der Sidreria „La Ballera“ gelandet, da dort auf zwei riesigen Displays italienische und neuseeländische Sportler ballerten.
Beim Betreten des Lokales stieg ein zuhöchst säuerlicher Geruch in mein feines Näschen. Daneben wunderte ich mich, dass der Boden, mit Verlaub Herr Wirt, schmutzig und klatschnass war. Die Gäste der Sidreria hatten alle! unzählige grüne Flaschen auf den Tischen und die Kellner schütteten in urkomischer Weise mit ausgestrecktem gebogenem Arm über den Kopf das Nass in riesige Plastikbecher ohne, das nicht immer! ein Teil des Getränkes auf Boden, Schuhen oder auch Klamotten der Gäste landete.
Ich war in einer Apfelwein-/Mostbude gelandet und wusste vorher wirklich nicht all zu viel von dem außergewöhnlichen Szenario, das sich an solchen Stätten abspielt.
Mir gefiel das Ganze und ich blieb, wurde mit einem Torerfolg der Neuseeländer gegen Italien und einem fantastischen Essen belohnt. Ensalada Mixta
und riesige Gambas
bis zum Abwinken.
Ich hatte nach dem Essen die geschundenen Füße mit Sidra Natural (Alkoholgehalt: 6,0 %) einbalsamiert, die Italiener sich gegen Neuseeland blamiert und draußen feierten zwei Chickas den heutigen Sieg Paraguays bei der WM.
Hier ist was los in Nordspanien!
Hola aus Villaviciosa
DC
Zitat aus meinem Reiseführer:
La Sidra: Der Apfelmost, dessen Ursprung bis auf die alten Ägypter und Griechen zurückgeht, wird an der Nordküste Spaniens besonders gerne getrunken. Traditionell wird er hier jedoch in einer ganz besonderen Weise eingeschenkt: in einem weiten Bogen gießt man das kühle Nass von der Flasche über den Kopf in das Glas. Vor Ort spricht man von „escandier“. Zweck der Übung ist es, beim Einschenken möglichst viel Sauerstoff in den Apfelmost zu bringen, um so dessen Geschmack zu verbessern.
Veröffentlicht in Camino 2010
Einzelhaft in Villaviciosa
23. Tag 20.06.2010:
Ja, so sieht sie aus, meine schicke Zelle im Hostal-Cafe Del Sol, 31 km vor Gijon.
2,50 x 1,45 Meter Meer braucht Mann nicht um glücklich zu sein und die Wäsche hängt um 14:30 Uhr schon zum Trocknen im Rahmen des Naturholzfensters….
Schon wieder „verwöhnter Hotel-Pilger“ könnte der geneigte Leser des Blogs anmerken, aber … weit gefehlt. Zahle mit 15,00 Euro weniger als in so mancher Jugendherberge hier auf dem Weg und hatte keine andere Wahl, da es bis Xixon (asturisch) keine Herberge auf dem Camino de La Costa mehr gibt.
Mir geht es gut. Der heutige Weg war abwechslungsreich und die kurze gestrige Etappe von Ribadesella-La Isla (19 km) war genau die richtige Entscheidung um meinem Körper die erforderliche Regeneration zu schenken. Nach über 450 km auf dem Jakobsweg darf man als Caminopilger so einen Tag auch mal durchgehen lassen. Werde meinen Lederhut jetzt ein wenig durch den vom Meer weit entfernten Ort tragen, Essbares und Flüssiges zu mir nehmen und eine Wifi-Bar mit Fußball im Breitbandformat aufsuchen.
Buenos dende Villaviciosa
Caminopilger desde 2008
Tageskilometer am 20.06.2010: 23,0 km
Entfernung bis Santiago de Compostela: 393 km
Ausgesprochen schlechtes Wetter haben wir heute nicht ….
Veröffentlicht in Camino 2010
Startschwierigkeiten
22. Tag 19.06.2010
Sitze noch im Cafe in Ribadesella, gönne mir ein großzügiges Frühstück
und hoffe, dass sich mein Zustand im Laufe des Tages bessert. Bin ein wenig benebelt und habe Kopfschmerzen. Das alkoholfreie Bier und der Rioja sind nicht die auslösenden Faktoren für diesen Hänger. Habe mir schlecht weg eine Erkältung zugezogen und werde aus diesem Grund heute und morgen streckenmäßig kürzer treten, zumal übermorgen 37,3 km nach Gijon auf dem Plan stehen.
Die hiesige Jugendherberge kann ich jedem Interessierten nur wärmstens empfehlen. Trotz der Erkältung habe ich hier so gut wie lange nicht Meer geschlafen. Hohe Räume, Seeluft von allen Seiten und ein fantastischer Blick auf den Atlantik verwöhnen den erschöpften Pilger.
(Blick vom Garten der Herberge zum Meer hin)
Veröffentlicht in Camino 2010













































































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